Der weiße Barry White?

Mario Biondi, Foto: Alessandra Fucillo

Mit dem Song „This is what you are“ begann 2006 Mario Biondis Solokarriere. Die Single schaffte es auf Anhieb auf Platz 36 der italienischen Charts, das Album „Handful of Soul“ konnte sogar Platz Eins erobern und hielt sich 72 Wochen in den Chartliste. Alle Singles und Alben waren seither in den italienischen Charts. In Deutschland ist Mario Biondi nur Insider ein Begriff, in Italien ist er ein Mega-Star.


Das verwundert ein bisschen, denn Biondi singt zwar auch auf Italienisch, meist jedoch auf Englisch. Seine sanfte, leicht rauchige Stimme haucht er ins Mikro, verführerisch wickelt er das Publikum um den Finger und entführt ins Dolce Vita. Viele vergleichen Biondi mit Barry White, in vielem erinnert er aber eher an Isaac White. Die Wahrheit liegt wohl da zwischen: ein bisschen Groove von Barry White, ein bisschen Charisma von Isaac Hayes und ganz viel Mario Biondi. Einer der großen Crooner der Gegenwart.

Biondi wurde 1971 als Sohn eines Liedermachers in Catania auf Sizilien geboren. Das Musikmachen ist ihm also in die Wiege gelegt worden. Aufgewachsen mit einer Großmutter, die Opernarien sang, und einem Vater, der sizilianische Volkslieder schrieb, lernte Biondi früh, dass Musik kein Beruf ist, sondern eine Haltung. Mit zwölf stand er zum ersten Mal auf einer Bühne. Er spielte in Clubs, in Bars, in Hinterzimmern. Er begleitete Tourneekünstler, trat im Schatten fremder Bekanntheit auf und entwickelt seien einzigartige Stimme.

Im Alter von 17 Jahren durfte er mit Ray Charles singen. Im Jahr 2003 nahm er mit dem Jazz-Drummer Chicco Capiozzo und Michele Guidi (alias „Mecco“; Orgel) deren Album Whisky Go Go auf. Ein tolles Jazzalbum mit genialen Beats, das bis heute unterschätzt wird – auch wenn der Titelsong mehrfach auf Samplern auftauchte!

Dann kam „A Handful of Soul“ und Biondi wurde über Nacht zum Star. die Single „This is what you are“ erlangte Gold-Status, das Album „If“ aus dem Jahr 2010 sogar Platin. Mit drei Nummer-Eins-Alben ist er einer der erfolgreichsten Sänger seines Heimatlandes.

Wenn Biondi singt, dann klingt das immer cool und lässig mit einem Schuss Erotik. Dolce far niente in Musik gegossen! Jazz, Pop, Soul, R ’n B -für Biondi gibt es keine Genre-Grenzen. Das macht seine Alben so spannend, denn – seien wir mal ehrlich – Barry White wird irgendwann fad, wenn man mehr als drei Lieder hört, Biondi Zeit uns in seinen Bann und lässt uns nicht mehr los. Wein bisschen Pop, ein bisschen Jazz und ganz viel Liebe zur Musik.

Wer Mario Biondi live erlebt, versteht, was mit dem viel strapazierten Wort der Bühnenpräsenz gemeint ist. Nicht der Effekt. Nicht das Spektakel. Nur ein Mann mit einer Stimme, die den Raum füllt. Manchmal reicht das.