Der Klang der Karibik

Am 22. Dezember 1984 auf der französischen Karibikinsel Martinique geboren, wuchs Grégory Privat in Saint-Joseph in einer Musikerfamilie auf. Die musikalische Tradition seiner karibischen Heimat war von Beginn an ein prägendes Element in seiner künstlerischen DNA. Sein Vater José Privat ist Komponist und Pianist und war zeitweise Mitglied der renommierten martinikanischen Weltmusikband „Malavoi“. Er ermutigte den jungen Grégory schon mit sechs Jahren zum Klavierunterricht.

Für die Musik von Martinique ist der im 19. Jahrhundert entwickelte Beguine bestimmend, ein langsamer Swingtanz, der sich aus der afrokaribischen Rhythmik des Gwoka (Guadeloupe) und des westafrikanisch inspirierten Bélé sowie aus der französischen Musette und Elementen des amerikanischen Jazz speiste. Ein energiegeladene und rhythmusbetonte Musik entstand.

Früh entdeckte Privat die Welt des Jazz für sich. Von 2004 bis 2007 führte er ein „Doppelleben“: Tagsüber studiert er Ingenieurwesen in Toulouse, nachts spielt er in Jazzclubs der Stadt. In dieser Zeit begann Privat, europäischen Jazz mit karibischer Musik zu verbinden. Mit einem Ingenieursabschluss in der Tasche zog er anschließend nach Paris, wo er zunächst weiter als Ingenieur arbeitete und gleichzeitig die Jazzszene der Hauptstadt erkundete. Mit 27 Jahren wagte er schließlich den entscheidenden Schritt: Er gibt seinen gut bezahlten Job auf und widmete sich fortan ausschließlich der Musik.

Der Weg in die internationale Jazzwelt führt über wichtige Wettbewerbe und entscheidende Begegnungen. Privat nimmt 2008 am Klavierwettbewerb des Montreux Jazz Festivals teil. 2011 erscheint sein erstes Album unter eigenem Namen: Ki Koté – eine Sammlung eigener Kompositionen, die von der Kritik gefeiert wird. Es folgt 2013 Tales of Cyparis, inspiriert von der historischen Figur des Louis-Auguste Cyparis, des einzigen Überlebenden des Vulkanausbruchs des Mont Pelé auf Martinique.

Im Jahr 2015 wurde Privat bei den Victoires du Jazz in der Kategorie „Entdeckung des Jahres“ nominiert. Ein Jahr später erschien Family Tree auf dem renommierten deutschen Label ACT.

Privat beeindruckt mit seiner virtuosen Technik, seinem ausgeprägten Rhythmusgefühl und großer Spielfreude. Seine Musik verbindet lyrische Melodien mit komplexen Harmonien und spiegelt seine karibischen Wurzeln auf einzigartige Weise wider. Diese Verwurzelung zeigt sich auch in seiner Zusammenarbeit mit anderen Musikern der Antillen: Er spielte mit dem Saxophonisten Jacques Schwarz-Bart, dem Trompeter Franck Nicolas und dem Perkussionisten Sonny Troupé zusammen. 

2019 gründete Privat sein eigenes Label Buddham Jazz, um künstlerisch unabhängiger zu werden. Unter diesem Label erscheinen seine persönlichsten Werke: 2020 das Trioalbum Soley, 2022 sein erstes Soloalbum Yonn, gefolgt 2023 von Nuit & Jour, einem Improvisationsalbum, das in Marseille aufgenommen wurde.

Den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere markiert das Jahr 2024: Grégory Privat erhält den „Prix Django Reinhardt“ der Académie du Jazz – eine der bedeutendsten Auszeichnungen im französischen Jazz. Fast gleichzeitig erscheint sein achtes Album Phoenix, das er als Weiterführung von Soley betrachtet und das Leben und die ständige Erneuerung feiert. Erstmals übernahm Privat alle Gesangparts.

Im vergangen Jahr nahm er gemeinsam mit Jacques Schwartz-Bart ein Album auf, das stärker vom europäischen Jazzsound geprägt ist. Ein meisterhaftes Werk! In diesem Jahr nun folgte mit „Darling“ das neue Album, stärker geprägt von elektronischen Sounds und der sanften Stimme von Privat.

Grégory Privat gilt heute als eine der aufregendsten Stimmen des zeitgenössischen Jazz und als wichtiger Innovator in der Verschmelzung von Jazz und Weltmusik. Mit jedem Album beweist er, dass Martinique und Paris, Karibik und Europa, Klassik und Avantgarde keine Gegensätze sind – sondern die Quellen eines einzigartigen und unverwechselbaren Klangs.