Man muss sich das kurz vor Augen führen: Als die Yellowjackets 1981 gegründet wurden, war Helmut Schmidt Bundeskanzler und Ronald Reagan wurde als 40. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Das ist 45 Jahre her, und es ist grundsätzlich eine Meisterleistung, sich so lange im Musikbusiness zu halten. Es auf dem Niveau der Yellowjackets zu tun, ist eine besondere Meisterleistung.
Anfang der 1980er-Jahre war Fusion Jazz angesagt. Die neuartige Mischung aus komplexem Jazz, heißen Rhythmen des Funk und der Energie des Rock galt als fortschrittlich und schick, schien dem Jazz aber auch seine vermeintliche Intellektualität zu rauben. Das klang alles so schön eingängig, dass man dazu mitwippen und tanzen konnte.
Dabei hatte kein Geringerer als Miles Davis gemeinsam mit Joe Zawinul der Stilrichtung des Fusion mit seinen Alben „In a Silent Way” und „Bitches Brew” Anfang der 1970er Jahre zum Durchbruch verholfen und einen stark elektronischen Sound in die Jazzmusik eingebracht. Weather Report, Chick Corea, Herbie Hancock und das Mahavishnu Orchestra (mit Billy Cobham) gehörten zu den Großen des Genres.
Der US-amerikanische Jazzgitarrist Robben Ford war der Initiator der Gründung der Robben Ford Group. Gemeinsam mit Keyboarder Russell Ferrante, Bassist Jimmy Haslip und Schlagzeuger Ricky Lawson spielte er in dieser Band. Als die Plattenfirma von Ford ein neues Album wollte, das stärker in Richtung Pop tendieren und mehr Gesang beinhalten sollte, rebellierten die Musiker. Sie wollten lieber instrumental arbeiten und näher am Jazz bleiben. Kurzerhand gründeten sie eine Band in der Band. Das erste Album in giftigem Gelb trug den Namen der neuen Gruppe und war stark vom Funk inspiriert: flotte Rhythmik, Synthesizer und die Hammond-Orgel bestimmten die Songs. Das Projekt schien allerdings kurzlebig zu sein. Als das zweite Album „Mirage à Trois” 1983 für einen Grammy nominiert wurde, hatte sich das Projekt bereits wieder aufgelöst.
Im Jahr 1984 gründeten Haslip und Ferrante die Band neu. Saxophonist Marc Russo ersetzte Ford. 1986 verließ der Drummer Lawson die Band und wurde durch William Kennedy ersetzt. Mit den neuen Mitgliedern wandelte sich der Stil der Band in Richtung „Worldbeat“. Die Stücke wurden ruhiger und scheinen von anderen musikalischen Kulturen beeinflusst zu sein. Das Saxophon trat stärker in den Vordergrund und die Beats wurden „jazziger”. Eine Entwicklung, die sich in den kommenden Alben fortsetzte.
Mit dem Weggang von Russo änderte sich der Stil erneut. Saxofonist Bob Mintzer stieß zur Band. Die Yellowjackets wurden experimentierfreudiger: Streicher untermalten einige Stücke, manche waren leicht und gingen eher in Richtung Acoustic Jazz, andere schienen dann wieder stärker vom Modern Jazz inspiriert zu sein. Es schien fast so, als wollten die Yellowjackets einen „Jazz für alle” erfinden. Jazzpuristen verspotten den eingängigen Jazz als „Easy Listening”, doch gerade bei den Yellowjackets greift das viel zu kurz. Die Yellowjackets spielten keine „Fahrstuhlmusik”, sondern durchaus komplexe Stücke, die leicht daherkommen. Das ist die eigentliche Kunst der Band und das Geheimnis ihres Erfolgs.
Bob Mintzer ist ein grandioser Arrangeur – das war wohl auch ein Grund, warum er 2016 Chefdirigent der WDR Big Band wurde. Spätestens seit Anfang der 2000er-Jahre trieb er die Band gemeinsam mit Ferrante immer stärker weg vom Fusion Jazz hin zu komplexeren Arrangements mit deutlicherer Rhythmik und Jazzelementen der 1950er- und 1960er-Jahre. Das Album „Mint Jam” (2002) war ein erster hörbarer Beweis dieses Wandels und wurde prompt für einen Grammy nominiert.
Die Kritiker sind längst verstummt, die Musik des Quartetts längst als stilprägend anerkannt. Was die Band in den letzten Jahrzehnten geschaffen hat, ist einzigartig. Ihr Jazz ist für jedermann „hörbar”, gleichzeitig ist er jedoch nie flach, immer vielschichtig, mitreißend und von Improvisation geprägt, sodass auch Jazzpuristen gerne zuhören.
Mit dem im vergangenen Jahr erschienenen Album „Fasten Up” ist ihnen ein großer Wurf gelungen, der auch für den Grammy nominiert war. Insgesamt waren sie 17 Mal nominiert und haben zweimal gewonnen. Auch das ist ein Zeichen der herausragenden Qualität der Yellowjackets. Man kann nur hoffen, dass sie noch viele Alben aufnehmen!







