Rebekka Bakken will eigentlich nicht, dass man über ihre Musik redet – man soll sie hören und fühlen. Die norwegische Sängerin und Songwriterin besitzt eine Stimme, die über drei Oktaven reicht und sich tief unter die Haut gräbt.
Am 4. April 1970 wurde Rebekka Bakken in Lier nahe Oslo, in eine musikliebende Familie hineingeboren. Schon früh lernte sie Geige und Klavier und sang norwegische Folklorelieder und Kirchengesänge. Als Teenager entdeckte sie Rhythm & Blues, Soul und Rock und sammelte erste Bühnenerfahrungen in einheimischen Bands. Ein Philosophie- und Wirtschaftsstudium brach sie Mitte der Neunziger ab – ihre Liebe zur Musik war einfach stärker.
Im Jahr 1995 zog Bakken nach New York, mit dem Ziel, als Sängerin Fuß zu fassen und eroberte die dortige Jazzszene. Sie begann, eigene Kompositionen zu schreiben, und der Jazz prägte ihren Stil zunehmend. Sie selbst lehnt die Bezeichnung „Jazzsängerin“ ab und die Beschreibung würde wohl auch viel zu kurz greifen. Ende der Neunzigerjahre traf sie den österreichischen Gitarristen Wolfgang Muthspiel, mit dem sie 2001 und 2002 zwei vielbeachtete Duo-Alben veröffentlichte. In New York lernte sie auch die deutsche Pianistin Julia Hülsmann kennen – aus dieser Begegnung entstand 2003 die CD Scattering Poems, auf der Bakken Texte des Dichters E. E. Cummings zur Musik des Hülsmann-Trios interpretierte.
Ebenfalls 2003 erschien ihr erstes Soloalbum The Art of How to Fall. In Deutschland gewann sie damit die Goldene Schallplatte (German Jazz Award) – eine Auszeichnung, die sie in den Folgejahren für Scattering Poems und Is That You? (2005) wiederholte. Dreimal in Folge: ein Zeichen, wie sehr das deutschsprachige Publikum diese Künstlerin ins Herz geschlossen hatte.
Bakkens Musik lässt sich nicht in eine Schublade pressen: Folk, Pop, Country, Soul und Singer-Songwriter-Tradition fließen in ihren Sound, stets getragen von klarer Melodik, poetischen Texten und einer herausragenden Stimme.
Nach Jahren in New York zog sie nach Wien, später auf eine Pferdefarm in Schweden, und lebt seit spätestens 2018 wieder in Norwegen. Alben wie Morning Hours (2009), September (2011) und Always On My Mind (2014) zeigen eine Künstlerin, die sich beständig neu erfindet, ohne sich selbst zu verlieren. Im vergangenen Jahr erschien das Album Nord auf dem Bakken fast ausschließlich auf Norwegisch singt und zu den musikalischen Wurzeln ihrer Kindheit zurückkehrt.

